Rechnungspass
Formatspezifikation
Version 1.0

Wie die Rechnungsdaten eines Käufers in einem QR-Code stehen, damit ein Kassensystem sie ohne Abtippen übernehmen kann.

Entwurf vom 19.08.2026 Frei implementierbar, ohne Lizenzgebühr K&G Development UG
Zweck

Wozu das Format da ist

Ab dem 1. Januar 2027 müssen inländische Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz ihre B2B-Rechnungen als E-Rechnung ausstellen, ab dem 1. Januar 2028 alle übrigen. Rechnungen bis 250 Euro bleiben davon ausgenommen. Die Pflicht gilt auch für Bargeschäfte an der Kasse.

Damit ein Betrieb überhaupt eine gültige E-Rechnung erzeugen kann, braucht er die Stammdaten seines Kunden. An einer Kasse ist das ein Problem, weil niemand Firmenname, Anschrift, Steuernummer und Zustelladresse abtippen will, während zehn Leute in der Schlange stehen.

Der Rechnungspass löst genau diesen einen Schritt. Der Käufer erzeugt einmalig einen QR-Code mit seinen Rechnungsdaten und zeigt ihn vor. Das Kassensystem liest ihn und hat alle Angaben, die es für die Käuferseite einer Rechnung nach EN 16931 braucht.

Was das Format nicht tut

  • Es erzeugt keine Rechnung. Es liefert nur die Daten der Käuferseite.
  • Es ersetzt keine Prüfung. Der Verkäufer bleibt für die Richtigkeit seiner Rechnung verantwortlich.
  • Es transportiert keine Positionen, keine Beträge und keine Steuersätze.
  • Es enthält keinen Zahlungsvorgang und keine Kontoverbindung.
Grundentscheidungen

Warum es so aussieht

Aufbau

Der Datensatz

Ein Rechnungspass ist eine einzelne Zeichenkette in UTF-8. Sie besteht aus Segmenten, die durch einen senkrechten Strich | getrennt sind. Das erste Segment ist die Kennung, alle weiteren sind Felder in der Form TAG:Wert.

RPASS:1|TAG:Wert|TAG:Wert|TAG:Wert

Regeln für den Aufbau

Maskierung

Zwei Zeichen haben im Wert eine Sonderbedeutung und werden mit einem Rückstrich maskiert.

Zeichen im WertGeschrieben als
|\|
\\\
Felder

Was drinsteht

Die Spalte rechts nennt das entsprechende Feld der Norm EN 16931, damit die Abbildung auf XRechnung und ZUGFeRD eindeutig ist.

TagBedeutungStatus MaxEN 16931
FIRFirmenname des Käufers, wie er auf der Rechnung stehen sollPflicht200BT-44
STRStraße und HausnummerPflicht150BT-50
ZUSAdresszusatz, etwa Gebäude oder Postfachoptional150BT-51
PLZPostleitzahlPflicht20BT-53
ORTOrtPflicht100BT-52
REGRegion oder Bundesland, nur wo im Zielland üblichoptional100BT-54
LNDLändercode nach ISO 3166-1 alpha-2, etwa DEPflicht2BT-55
EADElektronische Adresse, an die die Rechnung zugestellt wirdPflicht254BT-49
EASSchema der elektronischen Adresse nach EAS-Codeliste. EM für E-Mail, 0204 für Leitweg-IDPflicht4BT-49-1
USTUmsatzsteuer-Identifikationsnummer, ohne Leerzeichenbedingt20BT-48
HRNRegisternummer, etwa Handelsregisternummeroptional50BT-47
KRFKäuferreferenz. Bei öffentlichen Auftraggebern die Leitweg-IDbedingt50BT-10
BSTBestellreferenz oder Kostenstelle, die auf der Rechnung erscheinen solloptional50BT-13
ANSAnsprechpartner in der Buchhaltungoptional100BT-56
TELTelefonnummer des Ansprechpartnersoptional50BT-57

Was bedingt heißt

  • UST ist Pflicht, sobald der Käufer umsatzsteuerlich als Unternehmer auftritt. Praktisch also fast immer, weil genau darum geht es beim Rechnungspass. Weggelassen werden darf es nur, wenn der Käufer keine USt-IdNr. besitzt. Dann sollte stattdessen HRN gesetzt sein.
  • KRF ist Pflicht, wenn der Käufer ein öffentlicher Auftraggeber ist, der eine Leitweg-ID verlangt.
Beispiel

Ein vollständiger Datensatz

Ein Busunternehmen, das an einer Tankstelle oder in einer Gaststätte einkauft. Der Datensatz ist 153 Zeichen lang und passt damit in einen QR-Code der Version 9, also 53 Module je Kante.

RPASS:1|FIR:Reisedienst Halbach GmbH|STR:Buswerk 14|PLZ:03046|ORT:Cottbus|LND:DE|UST:DE271884903|EAD:rechnung@halbach-reisen.de|EAS:EM|ANS:Sabine Halbach

Dieselbe Firma mit Adresszusatz und Kostenstelle, und ein öffentlicher Auftraggeber mit Leitweg-ID:

RPASS:1|FIR:Stadtverwaltung Cottbus|STR:Neumarkt 5|PLZ:03046|ORT:Cottbus|LND:DE|EAD:991-12345-67|EAS:0204|KRF:991-12345-67|BST:Kostenstelle 4711
Verhalten

Regeln für Leser und Erzeuger

Ein Leser muss

Ein Leser sollte

Ein Erzeuger muss

Darstellung

Der QR-Code

MerkmalVorgabe
SymbologieQR-Code nach ISO/IEC 18004, Byte-Modus, UTF-8
FehlerkorrekturStufe M. Auf Papier, das im Handschuhfach liegt, Stufe Q
Typische GrößeBei 130 bis 250 Zeichen Version 8 bis 11, also 49 bis 61 Module je Kante. Version 11 fasst 251 Zeichen
RuhezoneMindestens 4 Module ringsum, unbedruckt
DruckModulgröße mindestens 0,5 mm. Bei 57 Modulen also mindestens 35 mm Kantenlänge einschließlich Ruhezone
BildschirmMindestens 250 Pixel Kantenlänge, Helligkeit hochdrehen, kein Dunkelmodus hinter dem Code
FarbenDunkel auf hell, Kontrastverhältnis mindestens 4 zu 1. Keine Logos im Code

Scanner, die wie eine Tastatur arbeiten

Viele Handscanner an Kassen geben den gelesenen Text als Tastatureingabe aus. Solche Geräte haben oft eine Tastaturbelegung eingestellt, die Sonderzeichen vertauscht. Wer einen solchen Scanner anbindet, prüft vor dem Einsatz, ob der senkrechte Strich und die deutschen Umlaute korrekt ankommen. Im Zweifel ist ein Kamerascanner oder eine direkte Anbindung der bessere Weg.

Vertrauen

Was der Code nicht beweist

Version 1 ist nicht signiert. Wer einen Rechnungspass erzeugt, kann beliebige Daten hineinschreiben. Das ist bewusst so und kein Rückschritt, denn heute diktiert derselbe Kunde dieselben Daten mündlich an der Kasse, und auch das prüft niemand.

Die Verantwortung bleibt, wo sie ohnehin liegt. Der Verkäufer stellt die Rechnung aus und muss die Angaben seines Kunden im üblichen Rahmen prüfen. Deshalb schreibt diese Spezifikation vor, dass ein Leser die Daten anzeigt und bestätigen lässt, und empfiehlt die Abfrage der USt-IdNr. beim Bestätigungsverfahren.

Für eine spätere Version denkbar

  • Eine Signatur, mit der eine vertrauenswürdige Stelle bestätigt, dass Firmenname und USt-IdNr. zusammengehören. Als Kandidaten kämen Steuerberater, Kammern oder ein Registerabgleich infrage.
  • Ein Gültigkeitsdatum, damit alte Karten nach einem Umzug von selbst auslaufen.

Beides wurde für Version 1 bewusst zurückgestellt, weil es Infrastruktur voraussetzt, die es heute nicht gibt, und weil ein Format, das erst mit einer Vertrauensstelle funktioniert, sich nicht verbreitet.

Datenschutz

Wer welche Daten sieht

Weiterentwicklung

Versionen und Lizenz

Rückmeldungen

Diese Fassung ist ein Entwurf. Wer ein Kassensystem baut und etwas vermisst, sollte sich melden, bevor Version 1 festgeschrieben wird. Genau dafür ist der Entwurf da.

Historie

Änderungen

FassungDatumÄnderung
1.0 Entwurf19.08.2026Erste Fassung